Luzia Kirche 

Pflaumheimer Kirche wurde im Jahre 1920 geweiht


Die „architektonische Gestaltung sei eigentlich zu opulent und passe eher in eine Stadt als auf Land“, kommentierte das königlich bayerische Landbauamt im Jahre 1910 den Bauplan der Pflaumheimer Kirche. Das Projekt sei einfach und großzügig zugleich und eine Zierde für das Dorf, heißt es in dem Gutachten weiter.  Die Kirche trägt eben die Handschrift des in dieser Zeit zum Dombaumeister von Mainz berufenen Professors Ludwig Becker, so das Resümee heute.  Am 12. Oktober 1920 wurde die Luziakirche vom Bamberger Erzbischof Jacobus von Hauck eingeweiht.

 

 
 

Die Vorgängerkirche, 1773/74 erbaut, war längst zu klein geworden, so dass man 1789 eine zweite Empore baute und 1805 sogar die Orgel verkaufte und ein kleineres Instrument beschaffte, um Platz gewinnen. Die Bevölkerung verdoppelte sich auf über 1000 Einwohner. Die Gemeinde, als Träger der Kirchenbaulast, konnte eine Erweiterung oder gar einen Neubau nicht finanzieren. Der damalige, für die Filiale Pflaumheim zuständige Großostheimer Kaplan Röther, richtete 1881 einen Kirchenbaufonds ein, der allerdings nur bescheidene Zuflüsse hatte. Am 1. Januar 1891 wird auf Initiative des Großostheimer Pfarrers Schüssler ein Kirchenbauverein gegründet und gleich auch schon der erste Plan gemacht. Mit monatlichen Beiträgen, Spenden, Hauskollekten und Bettelbriefe an den Bischof und den bayerischen Landtag, wird jede Möglichkeit genutzt, um  zu Geld zu kommen. Es werden sogar Lose bei den Kirchenbaulotterien in Wörth und Schweinfurt gekauft – aber alle waren Nieten! Die Bevölkerung ist allerdings, was den Standort betrifft, uneinig. Die Jungen wollen einen Neubau auf einem anderen Platz und die Älteren, darunter die Kirchenverwaltung unter dem Kirchenpfleger und späteren Bürgermeister Augustin Rachor, sind für eine Erweiterung der alten Kirche. Begründet wurde dies mit höheren Kosten und einer Verzögerung von etwa 20 Jahren, bis gebaut werden könnte. Schließlich ist auch das Bezirksamt Obernburg, das anfänglich auch mit einem Neubau liebäugelte, 1906 für eine Erweiterung der alten Kirche, weil dieser Standort doch der beste sei. Insgesamt lagen in all den Jahren vier Planvorschläge auf dem Tisch. Der letzte Plan wurde von dem Aschaffenburger Architektenbüro Becker und Scholl vorgelegt, der die Zustimmung erhielt und schließlich als Grundlage für die endgültige Planung, die Dombaumeister Professor Ludwig Becker zusammen mit dem Mainzer Architekten Anton Falkowsi konzipierte.

 

 
 
Die Baukosten wurden auf 94.000 Mark errechnet. Der Kirchenbauverein hatte aber nur 71.000 Mark beisammen.  Für die fehlenden 23.000 Mark erhoffte man sich eine Bürgschaft von der Gemeinde, die aber am 20.April 1913 erklärte  „in Hinsicht auf die misslichen finanziellen Verhältnisse diesem Ersuchen nicht näher treten zu können, umso weniger, als die Gemeinde im kommenden Jahre eine Schulhauserweiterung ausführen müsse“. Zum Schulhausbau kommt es wegen des Ersten Weltkrieges dann doch nicht. Daraufhin besinnen sich die Pflaumheimer auf ihre eigene Kraft und 61 Bürger zeichnen innerhalb von zwei Wochen Bürgschaften in Höhe von 49.100 Mark: also mehr als das Doppelte der benötigten Summe. Dieses bürgerliche Engagement ist auch heute noch typisch für Pflaumheim.  Am 11. März 1914 wird die baupolizeiliche Genehmigung erteilt und mit dem Bau wird sofort begonnen. Am 26. April 1914 wird durch den Geistlichen Rat Ignatz Hergenröther, Stiftspfarrer von Aschaffenburg und Dekan des Kapitels Aschaffenburg-West die Grundsteinlegung vollzogen. Der Dachstuhl ist gerade aufgeschlagen und die Ziegel sind gelegt, da bricht am 1. August 1914 der Erste Weltkrieg aus. Weitere Verzögerungen hätten den Bau hinausgeschoben, wenn nicht gar wegen Krieg und Inflation für längere Zeit unmöglich gemacht.

Trotz Baustelle wird in der alten Kirche noch Gottesdienst gehalten, später in der Kinderbewahranstalt und Sonntags im dortigen Hof. Kaplan Albin Diener benedizierte 1915 die damals noch nicht fertige Kirche, so dass dort doch Gottesdienste gehalten werden konnten. Dem Vorhaben von Pfarrer Ambros Martin, die Kirche im Jahre 1915 einweihen zu lassen stellten sich die Leute entgegen, weil so viele Männer im Krieg waren. Diese ablehnende Haltung für die Weihe der Kirche bestand auch noch im Jahre 1919, weil noch nicht alle Männer aus der Kriegsgefangenschaft daheim gewesen waren. Erst am 12. Oktober 1920 vollzog dann der Bamberger Erzbischof Jacobus von Hauck, in Vertretung des erkrankten Würzburger Bischofs Ferdinand von Schlör, die Weihe der Kirche.

 

 

 

Die heutige Kirche hatte an gleicher Stelle zwei Vorgängerinnen. Die erste Kirche ist um das Jahr 1340 nachgewiesen und hatte ihren Altar unter dem Turm, die zweite, 1773/74 gebaute Kirche, erstreckte sich vom Turm zur heutigen Taufkapelle hin und die dritte Kirche steht nun in Richtung Westen. Kirchenpatrone waren zunächst der heilige Georg, der später von der heiligen Luzia völlig verdrängt wurde. Noch heute hat die Gemeinde eine der heiligen Luzia geweihten Glocke, die im Jahre 1440 gegossen wurde. Pflaumheim hat die einzige Kirche der Diözese, die die heilige Luzia als Patronin hat.

 

 

Der im Bachgau einzigartige Kuppelturm, wurde 1930 gebaut.

 

Text Lothar Rollmann, Bearbeitet von Herbert Rachor

 
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